Micro Testbeds

INTERDISZIPLINÄRE UND PRAGMATISCHE Zusammenarbeit

Im Allgemeinen werden Testbeds über die nachfolgenden Charakteristika definiert:1,2,3

  • Schnelle Realisierung eines betriebswirtschaftlichen Potentials in kontrollierter Experimentierumgebung
  • Reale Unternehmensbedingungen
  • Evaluation / Spezifikation / Optimierung von DuV-Lösungen

Im Kontext der Digitalisierung und Vernetzung (DuV) ist die Notwendigkeit aufgekommen, Technologien, Services etc. unter realen Unternehmensbedingungen  zu testen. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass es für die Überwindung von technischen Herausforderungen erforderlich ist, DuV-Lösungen unter realen Unternehmensbedingungen zu evaluieren und darauf aufbauend zu spezifizieren und zu optimieren.

Ein weiteres wichtiges Element für die Abgrenzung von Testbeds im Kontext der DuV ist, eine interdisziplinäre und branchenübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen von internetbasierten Ökosystemen. Des Weiteren ist eine schnelle und pragmatische Realisierung von betriebswirtschaftlich sinnvollen Anwendungsszenarien von zentraler Bedeutung. Deshalb ergänzt das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) die Definition von Testbeds um die partnerschaftliche Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinweg sowie die schnelle Umsetzung zur Erlangung eines Wettbewerbsvorsprungs.

DAS FERDINAND-STEINBEIS-INSTITUT VERSTEHT TESTBEDS DAHER WIE FOLGT:
Testbeds sind dadurch gekennzeichnet, dass Unternehmen branchenübergreifend, partnerschaftlich und pragmatisch zusammenarbeiten um gemeinsam Wertschöpfungsszenarien im realen Unternehmensumfeld und in einer vorher nicht praktizierten Art und Weise experimentell umsetzen. Dabei wird der Fokus auf die Umsetzung kleiner Anwendungsszenarien gelegt. Auf diese Art und Weise entstehen unter Nutzung bestehender Technologien durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit neue Produkte und Services im Kontext der Digitalisierung und Vernetzung. Das Ergebnis von Testbeds ist damit vielfach ein vorher nicht antizipierbarer Nutzen für alle Beteiligten.

TESTBEDS FÜR DEN MITTELSTAND

Die vom IIC vorangetriebenen Testbeds sind bislang vorwiegend auf die Voraussetzungen von großen Unternehmen ausgerichtet. Für mittelständische Unternehmen und das Handwerk bedarf es einiger Anpassung, die insbesondere die Erfolgsfaktoren von kleinen und mittleren Unternehmen aber auch deren limitierende Randbedingungen berücksichtigt. Daraus sind unter dem Dach von Steinbeis die sogenannten „Micro Testbeds“ entstanden.

WAS IST EIN MICRO TESTBED?

Micro Testbeds sind dadurch gekennzeichnet, dass ca. drei bis fünf KMU branchenübergreifend und partnerschaftlich in einem neutral moderierten „Vertrauensraum“ zusammenarbeiten und gemeinsam Wertschöpfungsszenarien im realen Unternehmensumfeld experimentell umsetzen. Ziel ist es, möglichst schnell pragmatische Umsetzungen, die für alle Beteiligten einen Nutzen stiften, zu realisieren und gemeinsam zu lernen. Mit ersten Ergebnissen aus Micro Testbeds ist nach sechs bis zwölf Monaten zu rechnen. Auf diese Art und Weise entstehen durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit unter Nutzung bestehender Technologien neue Produkte und Services im Kontext der DuV. Ein weiteres Ziel dieses Vorgehens ist es, domänenübergreifende Wertschöpfung in vernetzten Ökosystemen zu generieren und damit nachhaltige Ökosysteme mit mittelständischen Unternehmen und dem Handwerk aufzubauen. Die nachfolgende Abbildung stellt dies schematisch dar.

WELCHEN NUTZEN HABEN WIR DURCH EIN MICRO TESTBED?

Im Rahmen der Micro Testbeds werden Lösungen für konkrete Problemstellungen der DuV aus den Unternehmen im realen Anwendungsumfeld partnerschaftlich umgesetzt und getestet. Durch die branchenübergreifende Zusammenarbeit in internetbasierten Ökosystemen kann gänzlich neue Wertschöpfung innerhalb des Ökosystems generiert werden. Dadurch wird das Erschließen neuer Märkte möglich. Durch den Zugang zum IIC können die KMU auch an internationalen Entwicklungen partizipieren und für die Unternehmen besteht die Möglichkeit, die im IIC entwickelten Lösungen im Rahmen einer Zusammenarbeit zu testen und weiterzuentwickeln. Neben dem Zugang zum IIC ist das FSTI eng verzahnt mit weiteren Initiativen im Kontext der DuV, unter anderem der Plattform Industrie 4.0 oder dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 Stuttgart. Zusätzlich ist das FSTI Teil des starken Steinbeis-Verbunds mit ca. 6.000 Experten. Durch diese Vernetzung besteht die Möglichkeit, den jeweils passenden Partner aus unterschiedlichen Bereichen zu einem Micro Testbed hinzuziehen zu können. Die Ergebnisse, die im Rahmen eines Micro Testbeds generiert werden, können in nationalen und internationalen Publikationen veröffentlicht werden. In der nachfolgenden Abbildung ist dargestellt, welcher Nutzen sich für Unternehmen aus einer Beteiligung an Micro Testbeds ergibt.

WIE WERDE ICH TEIL EINES MICRO TESTBEDS?

Für Ihr Unternehmen gibt es mehrere Möglichkeiten Teil eines Micro Testbeds zu werden:

INITIIEREN SIE MIT EINER KONKRETEN THEMENSTELLUNG EIN MICRO TESTBED: Sie haben in Ihrem Unternehmen bereits eine konkrete Themenstellung identifiziert. Ihr Unternehmen möchte die Themenstellung weiter vorantreiben und Sie sind auf der Suche nach geeigneten Partnern. Hierbei unterstützt das Steinbeis Digital Business Consortium, indem es einen neutral moderierten Vertrauensraum schafft und in Zusammenarbeit mit Ihnen geeignete Partner identifiziert und akquiriert.

WERDEN SIE MIT IHREM UNTERNEHMEN TEIL EINES MICRO TESTBEDS: Ihnen ist bewusst, dass Sie in Ihrem Unternehmen die DuV aktiv gestalten müssen, um auch zukünftig an Wertschöpfung partizipieren zu können. Ihnen fehlt aber bislang der konkrete Ansatz. Auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Experten können wir Ihnen die Möglichkeit eröffnen, sich an einem passenden Micro Testbed zu beteiligen.

WERDEN SIE ALS EXPERTE TEIL EINES MICRO TESTBEDS: Sie sind Experte in einem Themenbereich und würden Ihre Expertise gerne in Testbeds einbringen, dann freuen wir uns, wenn wir Sie mit Ihrer Erfahrung gezielt in Testbeds einbinden können.

Das Ferdinand-Steinbeis-Institut arbeitet bei der Durchführung und konkreten Umsetzung der Micro-Testbeds mit dem Steinbeis Digital Business Consortium und deren Experten eng zusammen, um für die Teilnehmer einen optimalen Transfer der wissenschaftlichen Ergebnisse in die Projekte zu gewährleisten, weitere Informationen zum Steinbeis Digital Business Consortium finden Sie unter: http://steinbeis-digital.de/.

Weitere Informationen zu Micro Testbeds finden Sie im Arbeitsbericht Micro Testbed

Ansprechpartner für Micro Testbeds ist: Patrick Weber

LITERATUR:

  1. Gluhak, A.; Krco, S.; Nati, M.; Pfisterer, D.; Mitton, N. und Razafindralambo, T. (2011): A Survey on Facilities for Experimental Internet of Things Research. IEEE Communications Magazine, Institute of Electrical and Electronics Engineers, 11 (49), S. 58–67.
  2. Raychaudhuri, D.; Seskar, I.; Ott, M.; Ganu, S.; Ramachandran, K.; Kremo, H. (2005): Overview of the ORBIT radio grid testbed for evaluation of next-generation wireless network protocols, In: IEEE Wireless Communications and Networking Conference, 2005. New Orleans, LA, USA, 13-17 March 2005, S. 1664–1669.
  3. Silva, E. M. und Maló, P. (2014): IoT Testbed Business Model. In: Advances in Internet of Things (4), S. 37–45.